2010 pilgerte ich mit einigen Freunden die letzten 130 km von Tricastella nach Santiago de Compostela. Im Sommer 2011 ging ich den kompletten Camino Frances (800km). Die vielen Erlebnisse und Pilgerfreundschaften haben mich zu einem Pilger gemacht. Leider ließ die Zeit es nicht zu, dass ich meine Pilgerfreunde 2011 bis nach Finesterre ("ans Ende der Welt") begleiten konnte. Dieses habe ich auf meiner Pilgertour 2012 nachgeholt. Mit meiner kleinen Familie startete ich 2013 in Porto; Portugal. Nun plane ich ein neues Pilgerprojekt. Auf 8 Jahre verteilt möchte ich von 2014 bis zum heiligen Jahr 2021 von Zuhause in ca. 135 Etappen bis nach Santiago de Compostela gehen.

Freitag, 15. August 2014

08.08.2014 - Von Odenthal/Altenberg nach Köln - 21 km


Anders als in Spanien können wir unsere Herberge verlassen, wann wir wollen. Daher genießen wir den Morgen und machen uns erst gegen 9:30 Uhr auf unseren heutigen Pilgerweg nach Köln.
Schrein der "Heiligen Drei Könige"
In Köln haben sich schon im Mittelalter viele Pilger getroffen, sollen hier doch die Gebeine der "Heiligen Drei Könige" im Dom aufgebahrt sein. Bevor ich mein diesjähriges Ziel erreiche, haben wir aber noch 21 km Pilgerweg vor uns. 
Unser Pigerweg steht heute unter dem Motto "Von Dom zu Dom". Wir starten beim Altenberger Dom und enden beim Kölner Dom. Unsere schöne Pilgerstrecke führt uns durch die Orte Odenthal und Schildgen. Hinter Schildgen durchqueren wir den Dünnwalder Wald bei herrlichem Sonnenschein.
Kurz vor Köln/Mülheim beschließen wir die grauen Vororte Kölns nicht zu Fuß sondern mit dem Bus zu durchqueren. Die Vororte großer Städte ziehen sich häufig und sind nicht sehr schön zu pilgern. Dieses kennen wir auch schon von Burgos und Leon auf unserer Pilgertour in Spanien.
Pilgerpause kurz vor Köln
Wenig später erreichen wir den Rhein und genießen bei einem  Bier  unseren  Pilger-
tag. Von hier sind es nur noch ca. 2 km bis zum Kölner Dom.
Gegen 15:00 Uhr erreichen wir den Kölner Dom. Hier holen wir uns unseren Pilgerstempel und machen eine kleine Besichtigung des Doms.

Pilgerziel Köln
Anschließend genießen wir unsere Ankunft bei einem herrlichem Kölsch im Brauhaus Früh. Da ein starker Regenschauer vorbei zieht sind wir ein wenig länger gebunden und aus einem Bier werden einige mehr. Sind ja aber auch nur kleine Gläser (0,2l) ;-)
Im A&O Hostel in Köln treffen wir auf eine internationale Belegung in unserem Zimmer. Neben Martin, Peter und mir sind noch zwei Japanerinnen und ein Amerikaner in unserem 6-Bett-Zimmer untergebracht. Es kommt echtes Pilgerfeeling auf. Die Nacht wird zum Tage gemacht, wohlweislich, dass wir uns am nächsten Tag trennen müssen. 
Martin wird in diesem Jahr noch ein Stück des Camino Frances gehen. Peter war schon zuvor in Spanien pilgern. Für mich endet mein Pilgerweg für dieses Jahr hier in Köln. Im nächsten Jahr geht es dann von hier weiter über Trier zur französischen Grenze nach Perl/Schengen. 
 
Ankunft beim Teilziel in Köln















Donnerstag, 14. August 2014

07.08.2014 - Von Wermelskirchen nach Odenthal/Altenberg - 17 km

Meine Pilgerfreunde Peter & Martin
Pünktlich um 9:00 Uhr treffen meine Pilgerfreunde Peter Gerlach (links) und Martin Busche (rechts) bei meiner Jugendherberge "Solingen-Burg" in der Nähe von Wermelskirchen ein. Beide haben eine längere Anfahrt hinter sich. Martin kommt aus der Gegend von Hildesheim und Peter aus der Nähe von Frankfurt. Ausgestattet mit Pilgermuschel und Pilgerstab kann unsere heutige Pilgertour starten. Nach einer kurzen Besichtigung der Burg in Solingen-Burg suchen wir wir den direkten Weg zur ausgewiesenen Pilgerstrecke. Hierbei machen wir zwar den ein oder anderen Kilometer zuviel, dennoch genieße ich das gemeinsame Pilgern mit meinen Pilgerfreunden. 
Auch sie sind dann von der schönen Pilgerroute begeistert.
Auf dem Pilgerweg mit Martin
Durch Wälder und entlang von Flussläufen erreichen wir gegen 17:00 Uhr eine Gaststätte mit einem Märchenwald. Hier gönnen wir uns eine Pause. Diese Pause verlängert sich leider unfreiwillig, da ein schweres Gewitter mit starken Regenfällen und lauten Gedonner ein Weitergehen unmöglich macht. So gönnen wir uns noch ein Bierchen mehr und machen uns gegen 18:00 Uhr auf die letzten beiden Kilometer.

Martin mit "Hänsel & Gretel" im Märchenwald
Gegen 18:30 Uhr erreichen wir den Altenberger Dom und kurz bevor die Touristikinformation schließt, erhalten wir unsere Schlüssel für unsere Unterkunft. In Altenberg gibt es nur den riesigen Dom und ein Restaurant. Wir überlegen selbst zu kochen, doch die nächste Einkaufsmöglichkeit ist drei Kilometer entfernt. So sind wir froh, dass wir im Restaurant noch ein gutes Essen und zwei Flaschen Wein für den Heimweg bekommen. In gemütlicher Runde lassen wir alte Pilgergeschichten aufleben und gehen gegen Mitternacht ins Bett.

Mittwoch, 6. August 2014

06.08.2014 - Von Beyenburg nach Wermelskirchen - 20 km

Bei Babara Küper habe ich es wirklich gut getroffen. Abendessen und Frühstück ist inclusive. Nach dem Frühstück mache ich mich gegen 8:30 Uhr auf dem Weg. Der Westfälische Jakobsweg endet in Beyenburg, so dass ich mich jetzt auf dem Rheinischen Jakobsweg befinde. Es geht erst einmal an einer Straßenallee entlang, damit ich wieder auf dem Jakobsweg treffe. In Deutschland sind anders als in Spanien die Unterkünfte nicht am Jakobsweg gelegen, so dass ich das ein oder andere mal vom ausgewiesen Weg abweichen muss. Obwohl ich ein wenig schwere Beine habe, komme ich gut voran. Schon gegen 11:00 Uhr erreiche ich so Lennep-Remscheid. Hier gibt es einiges zu sehen. Als ich in die katholische Kirche St. Bonaventura eintrete empfängt mich ein voller Orgelmusiksound. Die Musik lädt mich ein hier ein wenig zu verweilen. Wenige Meter von der Kirche entfernt befindet sich das Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen mit dem Deutschen Röntgen Museum.
Deutsches Röntgen Museum
Als ich durch die Innenstadt von Lennep gehe komme ich an einem Pilgerbüro vorbei. Hier trete ich natürlich ein und erhalte noch einige Infos zum weiteren Streckenverlauf und einen Pilgerstempel. Der Ort lädt zum Verweilen ein, da ich mich aber total fit fühle, maschiere ich weiter. Bei der Eschbachtalsperre werde ich von einen Neuseeländer angesprochen. Er war einen Monat zuvor den Camino Frances in Spanien gepilgert. Nach 5 Minuten trennen sich unsere Wege und schnellen Schrittes erreiche ich schon gegen 13:30 Uhr mein heutiges Etappenziel in Wermelskirchen. Die heutige Unterkunft, die Jugendherberge Solingen-Burg liegt ein wenig außerhalb und erreiche ich so ein wenig später mit dem Bus. Hier werde ich morgen meine Pilgertour mit meinen beiden Pilgerfreunden Martin und Peter fortsetzen. 

Dienstag, 5. August 2014

05.08.2014 - Von Gevelsberg nach Beyenburg - 15 km

Pilger kreuzen die Straße
Heute morgen habe ich mir richtig viel Zeit gelassen, warteten doch nur 15 km Pilgerweg auf mich. Im Gedanken über die tolle Gastfreundschaft von Familie Fröhlich verlies ich meine Unterkunft. Der Weg führte bergauf und brachte mich bis zum höchsten Punkt meiner heutigen Tour, beim CVJM-Heim, ganz schön ins schnaufen. Hier ist noch einmal eine von Familie Fröhlich erstellte Infotafel und zu dem ein Warnschild "Pilger kreuzen die Straße". Der Weg führt  mich durch den Wald und es geht weiterhin bergauf und bergab. Vorbei am Haus Martfeld, einer alten Schutzburg, bin ich froh, als ich mich in der Kirche in Schwelm ausruhen kann. Sie ist die zweitgrößte evangelische Kirche Westfalens und bietet 1200 Sitzplätze. Nun sind es nur noch 5 km bergauf und bergab bis ich die Klosterkirche St. Maria Magdalena in Wuppertal-Beyenburg erreiche. Leider gibt es in Beyenburg keine Einkaufsmöglichkeiten, so das ich auf meine Brot- und Käsereserven angewiesen bin. Da ich die Privatunterkunft bei Frau Küper erst später betreten kann, ruhe ich mich von der kurzen aber anstrengenden Tour bei herrlichem Sonnenschein erst einmal ein wenig aus.

04.08.2014 - Von Herdecke nach Gevelsberg - 21 km


Auch heute bin ich wieder gut aus den Startlöchern gekommen. Frau Berger hatte mir Brötchen, Kaffee und auch ein Ei als Frühstück bereitgestellt. Zudem fühle ich mich augenblicklich topfit. Füße und Körper sind ohne Blessuren. Auf meinem Weg komme ich heute an einem der größten Rangierbahnhöfe in Deutschland vorbei, dem Rangierbahnhof Hagen-Vorhalle. Die Anzahl der parallel verlaufenen Gleisen kann ich kaum zählen, da kann Lingen mit seinen zwei Gleisen auf keinem Fall mithalten ;-) Meine Mittagspause mache ich in Hagen-Haspe, habe ja immer noch Reste in meinem Rucksack. Das Mal wird durch zwei große Flaschen Alster aufgewertet. Die restlichen 12 km am Nachmittag haben es dann aber in sich. Die Straße, der ich laut gpx-Daten folge, endet in einer Sackgase. Angeblich muss ich hier rechts. Ich krachsele auf allen Vieren den Hang hoch und erreiche nach 200 m (gefühlte Höhenmeter) den Pilgerweg.
Herrliche Landschaften
Dieser teilt sich nach kurzer Zeit und da es keine Ausschilderung gibt und mein Handy kein gpx-Empfang hat, folge ich dem abschüssigen Weg. Nach einem Kilometer stelle ich meinem Irrtum (Dank gpx-Empfang) fest und muss den Berg wieder hinauf pilgern. Der Regen war zudem für meine Stimmung nicht gerade förderlich. Doch das Blatt wendete sich und die letzten 5 Kilometer konnte ich durch eine herrliche Landschaft bei strahlendem Sonnenschein genießen. Gegen 15:30 Uhr kam ich glücklich bei Familie Fröhlich an. Familie Fröhlich engagiert sich sehr um den Jakabsweg und die vorbeikommenden Pilger. Im Aushang und im Outdoor-Führer wird die Familie auch als "Kümmerer" betitelt. Wie ich im einem Gespräch erfahre, resultiert dieses daraus, das der Bürgermeister von Gevelsberg ihnen gesagt hatte, "da könnt ihr euch doch wohl drum kümmern". Die Herzlichkeit und Freude, die Familie Fröhlich ausstrahlt liegt in ihrer Natur. Ich habe diese Gastfreundschaft nicht nur beim gemeinsamen Abendessen, zudem ich eingeladen wurde, sehr genossen.

03.08.2014 - Von Dortmund nach Herdecke - 25 km

Mini-Hotel in Herdecke


Überraschenderweise sind heute morgen die drei Mitbewohner in meinem 6-Bettzimmer (A & O Hostels) um 6:30 Uhr schon alle wach. Also startet mein Pilgertag auch heute wieder sehr früh. Nach einem kurzen Frühstück (Baguette & Käse vom Vortag) mache ich mich gegen 7:30 auf dem Weg nach Herdecke. Vorbei am Westfalenstadion führt der Weg durch ein Naturschutzgebiet und dann durch den Botanischen Garten, dem Rombergpark. Eine wirklich schöne Strecke lässt die Zeit im Fluge vergehen. Nach gut drei Stunden erreiche ich das Mahnmal Bittermark. Es errinert an die sinnlose Ermordung von 300 Zwangsarbeitern in den letzten Kriegstagen durch die Gestapo. Da ich gut die Hälfte der Strecke absolviert habe, lege ich eine längere Mittagspause ein. Zeit, Kraft zu tanken, um die auf 232 Höhenmeter liegende Hohensyburg zu erklimmen (bin ja Flachländer ;-) Der älteste kirchliche Bau, die Kirche St. Peter zu Syburg (Grabsteine aus dem 9. Jahrhundert), die Burgruine Hohensyburg und das Kaiser-Wilhem-Denkmal lohnen diese Mühe. Gegen 16:30 Uhr komme ich ein wenig müde aber glücklich in Herdecke an. Auf mich wartet das Mini-Hotel von Frau Berger. Mit seinen zwei Schlafzimmern und einen kombinierten Wohn-  und Essraum habe ich das ganze Hotel für mich alleine. Die 84jährige Frau Berger hat dieses Hotel sehr geschmackvoll eingerichtet, so dass mir hier an nichts fehlt.

Samstag, 2. August 2014

02.08.2014 - Von Werne nach Dortmund - 27 km

Ev. Stadtkirche St. Reinoldi Dortmund
Schon um 6:15 Uhr klingelt mein Wecker, da ich um 7:00 Uhr am Gottesdienst der Kapuzinermönche teilnehmen möchte. Anschließend werde ich von ihnen zum Frühstück eingeladen. Gegen 9:00 Uhr starte ich mit Pilgerin Ylva die heutige Strecke von Werne über Lünen nach Dortmund. Schon nach 3 km trennen sich unsere Wege. Ich nehme eine Abkürzung, damit die Strecke heute die 30 Kilometermarke nicht überschreitet. Ylva nimmt den Weg am Schloss Cappenberg vorbei und bleibt dann in Lünen. So war es nur ein erstes kurzes Pilgertreffen. Die 10 km nach Lünen vergingen im Fluge. Nach der Mittagspause tat ich mich dann ein wenig schwer, da die Hitze und die Asphaltstrecke nicht gerade angenehm waren. Nach weiteren 8 km erreichte ich dann das Naturschutzgebiet Süggel. Und wie schon gestern, breite ich mich auf eine Bank aus und genieße die Ruhe und die Natur. Danach gehe ich schnellen Schrittes nach Dortmund. Um 16:00 Uhr erreiche ich die ev. Stadtkirche St. Reinoldi und hole mir hier meinen Pilgerstempel. In unmittelbarer Nähe ist meine heutige Unterkunft in einem A & O Hostel. Überraschender Weise habe ich bisher keine Blase und mir geht es somit sehr gut. Vielleicht hilft das vorherige abkleben und das zweite Paar Socken. Ich werde ersteinmal so weiterverfahren, vielleicht habe ich ja die Lösung für mein bisheriges Blasenproblem gefunden.

Freitag, 1. August 2014

01.08.2014 - Von Herbern nach Werne - 13 km

Altes Pesthaus des Kapuzinerklosters
So jetzt kann es los gehen, die Sachen sind gepackt und Heike will mich zum Bahnhof in Lingen bringen. Ein letzter Blick auf dem Handy und dann das: Auf dem Handy wird der Eingang einer Mail von der Deutschen Bahn angezeigt. "Verspätungsalarm - Für Ihre gebuchte Verbindung haben sich Veränderungen ergeben ..." Häää, was ist denn das? Der Zug hält nicht in Münster und hier müsste ich definitiv umsteigen! Und was jetzt? Im Vorfeld hatte Heikes Vater mir schon einmal angeboten, mich nach Herbern zu bringen, da hatte ich das Bahnticket allerdings schon gebucht. Ein kurzes Telefonat mit Heikes Eltern und ich darf mich darüber freuen, dass sie Zeit haben, mich mit dem Auto nach Herbern zu bringen. Welch ein Start in meine Pilgertour!!! Heike kann nun beruhigt zur Arbeit fahren und für mich kann es dann gegen 9:00 Uhr losgehen.
Pünktlich werde ich ab von Heikes Eltern (Gerd &Gila) abgeholt und gegen 11:00 Uhr sind wir dann in Herbern. Die Kirche kenne ich ja noch vom meinem Pilgerabschluss im April, daher hole ich mir hier nur schnell zum zweiten Mal den Pilgerstempel. Herzlich bedanke ich mich bei Gerd und Gila und schon gehts los auf meinem Pilgerweg bis Köln. Schon nach kurzer Zeit stoße ich auf das sehr schöne Schloss Westerwinkel. Weiter gehts auf einen sehr schönen Weg durch den Wald.
Schloss Westerwinkel
Nach ca. 7 km lädt mich eine Bank zum verweilen ein. Hier nicke ich doch tatsächlich ein und werde erst nach ca. einer Stunde wieder wach. Gegen 16:00 Uhr treffe ich dann in Werne ein. Nach dem Besuch der Werner Pfarrkirche St. Christopherus suche ich meine heutige Unterkunft im Kloster der Kapuziner auf. Im alten Pesthaus sind vier Pilgerzimmer eingerichtet. In einem dieser Zimmer mache ich es mir gemütlich. In einem Nebenzimmer ist eine weitere Pilgerin untergebracht. Das Pesthaus hat seinen Namen aus dem Mittelalter behalten. In dieser Zeit waren hier die Mönche untergebracht, die den pestinfizierten Einwohnern von Werne zur Hilfe standen. Meine Mitpilgerin lernte ich abends bei einem kurzen Gespräch kennen. Sie heißt Ylva und will ebenfalls bis Köln gehen. Nach einem kurzen Einkauf nehme ich mein Abendessen (Baquette, Käse und Fisch) mit einem Gläschen Wein ein. Den Rest gieße ich in meine Trinkflasche und fülle diese mit Wasser auf. Ein vorzügliches Pilgergetränk für den nächsten Tag. Gegen 22:00 Uhr begebe ich mich zur Ruhe.